Die Idee

Auf dieser Website und im Buch geht es um bauliche Massnahmen, die den Verbleib zu Hause auch in den späten Lebensphasen begünstigen. Die Anpassbarkeit von Haus und Garten an körperliche Einschränkungen ist eine sehr wichtige Voraussetzung für das Wohnenbleiben. Sie löst aber weder das Problem der Belastung durch den Unterhalt noch jenes der Unterbelegung der Räume. Anstatt die geeignete, kleinere Wohnung ausserhalb des vertrauten Wohnumfeldes zu suchen, besteht vielleicht die Möglichkeit, das eigene Haus und den Garten so umzugestalten, dass zwei Wohnungen Platz finden, und sich eine davon gut zum Wohnen im Alter eignet.

Vorteile der neuen Nutzung

Mit der Umgestaltung entsteht neuer, unabhängiger Wohnraum für Fremdmieter oder Familienangehörige, die eigenen Eltern oder die Familie erwachsener Kinder. Neue Mitbewohner im Haus oder auf dem Grundstück bieten die Gelegenheit für soziale Kontakte und unter Umständen auch Unterstützung im Alltag. Sie bringen Leben ins Haus und führen es, je nach Umbau, wieder seiner ursprünglichen Bestimmung als Familienhaus zu. Eine bessere Ausnutzung wirkt sich zudem positiv auf die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl aus, was vor allem für alleinstehende Bewohner von grosser Bedeutung ist aber auch für jene, die häufig reisen oder regelmässig einen Zweitwohnsitz bewohnen.

Eine neue Nutzung erlaubt es, die Liegenschaft besser zu unterhalten und gleichzeitig die Belastung zu teilen, sowohl arbeitsmässig wie finanziell. Die Umbaukosten sind meistens hoch. Es ist daher schwierig, mit einer neuen Nutzung kurzfristig ein zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften. Längerfristig kann sie allerdings grosse finanzielle Vorteile bringen: Der Umbau zur Schaffung einer hindernisfreien Wohnung und deren Einbindung in ein tragfähiges soziales Netz können den Verbleib im eigenen Haus auch bei Hilfs- und Pflegebedürftigkeit begünstigen. Wenn sich dadurch ein Umzug oder ein Aufenthalt im Pflegeheim vermeiden lässt, werden, je nach Situation, oftmals grosse Summen Geld gespart.

Die neue Nutzung hat neben sozialen und finanziellen Vorteilen nicht zuletzt auch eine ökologische Dimension: Auf bereits überbautem Grund eine zusätzliche Wohnung zu schaffen ist ein wichtiger Beitrag zum haushälterischen Umgang mit dem Boden.

Bauliche Anforderungen

Die bauliche Umsetzung beeinflusst weitgehend die Qualität der neuen Nutzung. Grundsätzlich sollte auf eine gute Trennung der Wohnungen geachtet werden. Auch wenn Nähe erwünscht und mit baulichen Massnahmen gefördert werden soll, ist es wichtig, für alle Wohnparteien genügend Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen, um die Privatsphäre, die Bewegungsfreiheit, den Lebensstil der einzelnen Bewohner zu garantieren. Besonders wichtig sind eine gute Schallisolation und ein sparsamer Umgang mit Sichtbeziehungen. Begegnung und gegenseitige Wahrnehmung sollten sich nicht aufzwingen, weil dies auf lange Frist als Störung oder als Kontrolle empfunden werden kann. Als Faustregel kann gelten, dass nichts für die eigene Familie gebaut wird, was nicht auch zum Wohnen mit familienfremden Bewohnern geeignet wäre. Das bedeutet, trotz aller Begeisterung für das entstehende, gemeinschaftliche Wohnprojekt dem Drang nach möglichst viel Gemeinsamkeit und Nähe zu widerstehen. Im Gegensatz zur erzwungenen Nähe erleichtern gut gestaltete Rückzugsmöglichkeiten das Zusammenleben. Sie beugen Konflikten vor oder helfen, diese zu entspannen. Bei der Gestaltung eines Mehrgenerationenhauses sollte deshalb der Grundsatz ‹Nähe auf Distanz› von Anfang an in das Baukonzept integriert werden.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.